Trauredner auf Schloss Neuburg am Inn

Eine meiner ersten Trauungen fand im Schloss Neuburg am Inn statt. Damals wohnte ich noch in Passau, wohl noch nicht wissend, dass ich – ein paar Jahre später – genau hier in unmittelbarer Nähe dieses Schlosses am Inn meinen Hauptwohnsitz haben werde. Die Burg thront gegenüber der Burg Wernstein hoch über dem Inntal an der Grenze zu Österreich. Sie war einst Sitz der reichsunmittelbaren Grafschaft Neuburg. Das Schloss wurde 1050 von den Grafen von Formbach einige Kilometer innabwärts ihrer Stammburg erbaut. Sie benannten sich seither nach Neuburg. Heute ist Schloss Neuburg am Inn eine beliebte Location für Trauungen. Die imposante Burganlage wurde 1503–1550 durch den Passauer Baumeister Wolf Huber im Renaissancestil umgestaltet und eine weitläufige Gartenanlage wurde angelegt. Der Weg zur Vorburg führt von Norden durch den Blumengarten mit Grotte. Die Burg ist von einer Ringmauer umgeben, die mit drei Ecktürmen und einem Torturm bewehrt ist. Über eine Brücke aus dem Jahr 1707 gelangt man in die Hauptburg. Die gotische Burgkapelle, die aus dem 14. Jahrhundert stammt, bietet sowohl für kirchliche wie auch für freie Trauungen eine traumhafte Kulisse. Die sogenannten Schönen Säle, die den ältesten Renaissance-Dekor nördlich der Alpen zeigen, können als Alternative (falls das Wetter nicht mitspielt) zum Feiern bestenfalls dienen. Im Salettl sind Fresken von Fritz Seitz von 1537 erhalten. Weitere Säle sind der große Rittersaal, der Weiße Marmor-Saal und der Rote Marmor-Saal. Wenn das Wetter es erlaubt, können Trauzeremonien im Barockgarten durchgeführt werden: Mehrere Callot-Figuren umrahmen den Weg, der zum Garten-Pavillon mit Muschel-Grotte führt, ein stilvolles Bauwerk, das von Batista Carlone und Giovanni Sforzza gestaltet wurde. Was für ein wunderbares Setup für eine Trauzeremonie im Freien! Nach der Trauung können die Hochzeitsgäste einen Spaziergang um die Burganlage herum über einen Rundweg durch den Wald machen.

MUSIKWÜNSCHE & TOP TRAUUNG-SONGS

Ihr heiratet also, und ihr plant die Zeremonie aber ihr seid noch nicht sicher, welche Musik ihr für die Trauzeremonie wählen solltet? Bekannte Songs, bringen unvergessliche, einzigartige Momente. Ob adaptierter Text oder im Original, ob weiblicher oder männlicher Song, Dein Wunsch wird individuell realisiert, damit dein traumhaftes feierliches Ereignis einmalig bleibt. Nachfolgend findet ihr eine kurze Liste traditioneller und moderner Lieder für jeden Teil der Zeremonie: Einzugsmusik: gespielt, wenn das Brautpaar angekündigt und/oder die Braut zum Altar/Ort der Zeremonie geführt wird: Bridal Chorus (Here Comes The Bride) – Wagner – Wenn ihr an eine Hochzeit denken, kommt euch dieses instrumentale Lied wahrscheinlich als erstes auf den Gedanken. Arrival of the Queen of Sheba – Handel – Dieses helle und lebhafte, nicht klassische Stück, das 1749 in London uraufgeführt wurde, ist ein weiteres traditionell geschätztes Einzugsstück. Only You – Joshua Radin – Dieses Yazoo-Cover ist ein melodisches Liebeslied mit einer weichen Männerstimme, das garantiert keine Augen trocken lässt. Craig Armstrong – Glasgow Love Theme – Der Komponist Craig Armstrong, der 2003 für den Einzug in Love Actually geschrieben hat, sagte, „dieses Lied wiederspiegelt die unerwiderte Liebe.“ Wie im Kino eben. Canon In D – Pachelbel – Der langsame Klassiker mit Violine, ideal für Brautjungfern, die den Gang hinunterlaufen. How Long Will I Love You – Ellie Goulding – Wieder so ein Stück Klassik. Can’t Help Falling in Love With You (cover) – Haley Reinhart – Nach dem dritten Platz auf American Idol machte Haley diesen 1961er Elvis Presley-Hit zu einem jazzigen Frauengesang, der für einen Extra-Gum-Werbespot ausgewählt wurde und weltweit Millionen von Ansichten gewann. Here Comes The Sun – Sleepy Time Players – 1969 von George Harrison während eines kurzen Urlaubs geschrieben, um vom Drama des Lebens zu erzählen Ein Gänsehaut-Song. Musik während der Trauung: wird gespielt während der Zeremonie, um die Highlights-Momente zum Ausdruck zu bringen: A Thousand Years – Christina Perri – schöne weibliche Stimme mit einem großen Crescendo-Playback, um alle in Stimmung zu bringen – hier in einer hervorragenden Interpretation. All Of Me – John Legend – melodische Männerstimme, die das unaufhaltsame Aufgeben der Liebe in einer Beziehung zum Ausdruck bringt – sehr beliebt. Ave Maria – Schubert – Wie in Disneys Fantasia zu hören ist, hilft diese ruhige und klassische Frauenstimme dabei, alle Aufmerksamkeit auf die anstehende Aufgabe zu lenken. Better Together – Jack Johnson – Ausgereifte männliche Stimme über das Wissen, dass ein Paar in der perfekten Beziehung befindet, die den Fuß zum Klopfen bringt und den Körper swingen lässt – wie in der Interpretation erwähnt. God Gave Me You – Blake Shelton – beiläufiger Country-Lied über Wertschätzung der Liebe und des Zusammenseins – interessante Geschichte hier. I’m Yours – Jason Mraz – Hawaiianisches Gefühl, entspannende Männerstimme mit einer Ukulele, erklärt, wie man seine eigene Meinung im Leben akzeptiert. Jesu, Joy Of Man’s Desiring – Bach – Dieses klassische Lied mit Streich- und Horn- Crescendos aus dem Jahr 1723, lässt euch wie Könige fühlen. Make You Feel My Love – Adele – Ein weibliches Standard-Lied, das ursprünglich […]

Il padre della sposa

Nell’esperienza dei molti matrimoni che ho vissuto durante la mia carriera di cerimoniere, ho sempre cercato di indovinare quali pensieri attraversassero la mente dei genitori negli istanti che precedevano il momento fatidico. Così è stato quel giorno, al castello di Seehof, vicino a Bamberg. Pioveva; una pioggia grigia, monotona e senza fine. Notai, all’arrivo, tre coppie che si spostavano nel cortile interno del castello, forse alla ricerca di un bello scatto fotografico da conservare come ricordo. Coppie frustrate, comprensibile… La mia coppia di sposi la trovai nell’ala sinistra del castello, vicino alla porta di una piccola cappella. Mentre il miglior amico della sposa e la damigella d’onore mi salutavano, gli ospiti si radunarono intorno agli sposi scattando foto con i loro cellulari. Lì c’era anche Carmelo, il padre della sposa. Molto, molto orgoglioso di sua figlia, la sua bambina… Non avevo mai visto un papà così fiero prima di allora. Carmelo non vedeva la pioggia (credo). Aveva occhi solo per Lei. La passeggiata lungo il corridoio Peccato che il percorso per arrivare all’altare della piccola cappella fosse troppo breve. Non più di cinque, sei metri, tanto che la sposa avrebbe avuto appena il tempo di girarsi una volta verso sinistra, una volta verso destra. Era da più di vent’anni che Carmelo aspettava questo momento. E ora? Solo dieci secondi per accompagnare la sua bambina lungo il corridoio. No! Avevamo a disposizione il passaggio barocco di circa 40 -50 metri, nel cortile, fino alla porta della cappella. Accompagnai fuori dalla cappella tutti i fotografi, videografi e chi con il cellulare cercava di riprendere insieme ai musicisti che suonavano e lasciai Carmelo accompagnare il suo tesoro lungo il corridoio interno. Lentamente… “piano, piano Carmelo!” Godete visibilmente della passeggiata, fino alla porta della cappella e, per pochi passi ancora, fino all’altare. Prima di lasciare la sua bambina allo sposo, le aggiustò la collana, forse un gioiello di famiglia?

You Are What You Wear!

Ich erinnere mich noch, das war im Jahre 1995 in der Kapelle des Palazzo Cardinal Cesi in Rom, als ich die schwarze Kutte bekam. Ich war sehr aufgeregt aber auch bewegt, weil das Stück Klerikerkleidung samt Collarhemd, mir das Gefühl vermittelte, soweit angekommen zu sein. „Corporate Fashion“ würde ich in moderner Sprache übersetzen. Meine erste „Rednerkleidung“. Es geht in diesem Beitrag um Fashion. „Mode ist eine subtile Sprache. Wer ihr Vokabular beherrscht, gewinnt die Herzen der Menschen“. „You Are What You Wear“ heißt es doch. In Schwarz fühlte mich wohl, die Farbe präzisierte mein Status, wobei Schwarz – im Sinne von Fehlen von Licht – keine Farbe ist.Meine ersten freien Trauungen führte ich in meinem schwarzen Anzug durch. Es war OK, es gab damals ein paar Kollegen und fast alle trugen dezente Farben. Ultra Violet – PANTONE Farbe des Jahres… war noch kein Thema. Den ersten gedruckten Katalog mit Trendfarben durfte ich erstmals vor 10 Jahren in einer Werbeagentur zu Gesicht bekommen. Anthrazitgrau – das wurde mein erster mutiger Schritt. Ich habe mir einen anthrazitgrauen Anzug gekauft. Das passierte nach einem E-Mail-Wechsel mit einer nun in dem Geschäft der modernen Hochzeiten-Ära angekommene „trendige“ Rednerin. Mein ehrwürdiger schwarzer Anzug, als Gegensatz zu den pastellfarbenen Outfits der Dame, war nicht mehr aktuell. Ich passe mich wie ein Chamäleon meiner Umgebung an. Blogs wie Hochzeitgezwitscher, Foreverly oder Hochzeitswahn geben den Geschmack vor. Die Bräute erscheinen am Hochzeitstag in Greenery-Kleider, die Bräutigame in Lila-Anzüge. Die Braut in Weiß, in der Hand ein Vintage Blumen Strauss und Fliege im Rockabilly Style der 50er (weiß mit roten Punkten) für den Bräutigam. „Die besten Trauredner“ auch – bunter wie eh und je. Trachtenmode finde ich auch großartig, ziehe aber niemals an, weil zu meinem Typ definitiv nicht passt. Ich bin weder Hochzeitslader noch Geselle auf der Walz. Heute habe ich mir einen neuen Anzug gekauft. Farbe? Ein mutiges Marineblau:-) I am What I Wear!

English German Wedding in Fawsley Hall

Tobias and Ariane by Sarah Vivienne Photography When the rain is torrential and doesn’t let up all day, there are worse places you can be than Fawsley Hall. Because of the terrible weather on Tobias and Ariane’s wedding day we were confined to being indoors for the entire time. But Fawsley is blessed with some beautiful interiors, which we made use of for the Bride & Groom portraits. Unusually we did these before the ceremony so that Tobi & Ari could spend more time with their guests, who had flown over from Germany, during the reception. Tobi and Ari had a ‘free wedding’, which is an alternative style German ceremony, led by Inocentiu Fron. For all intents and purposes, it was much like any other ceremony in terms of format. But it felt a lot more personal and very intimate. And it was delivered in both English and German so that everyone could understand. Many of the guests were involved in the ceremony too with readings and music. As I left they were enjoying the very British tradition of afternoon tea (which Fawsley do in the yummiest style).

Eine Hybrid Trauzeremonie

Als die Wedding Planerin R. vor ca. 1 Jahr, mir die Anfrage schickte, wusste ich noch nicht, was auf mich zukommen würde: „Lieber Ino, für nächstes Jahr bräuchte ich noch einen freien Redner für ein ganz liebes Brautpaar: S & M heiraten am 07.09.18 im soundso… Sie wünschen sich eine christlich geprägte Trauung. Da der Bräutigam nicht in der Kirche ist, der Braut eine Art kirchlicher Segen allerdings wichtig ist, haben wir uns eine Kapelle in der Nähe der Location ausgesucht. Der Pfarrer dort ist recht umgänglich und für freie Trauungen auch offen. Hättest Du da vielleicht noch Zeit?“ Ja, ich hatte Zeit und Lust dazu. Nur eines wusste ich nicht – der Pfarrer war weniger begeistert… Ca. 6 Monate später kam das Protokoll-Formular. Ein Dokument das vom Pfarrer zu Pfarrer geschickt wird, um sicher zu stellen, dass alles kirchenrechtlich konform abläuft.Zwei wesentliche Dinge waren NICHT KONFORM. Der Bräutigam war ausgetreten und der Priester kein aktiver Priester, sondern aktiver Trauredner. Einige Versuche das Pfarramt und die Rechtabteilung zu Freigabe zu bewegen schlugen fehl. Sackgasse! R bat mich um eine Lösung… Ich ruf J aus W an und fragte, ob er einen Gottesdienst an diesem Tag bei uns in Dt. halten kann. Ja gerne, antwortete er mit seiner lauten R-rrrrollenden Stimme. J hatte ich seit über 20-oder-so-Jahren nicht mehr gesehen. Bingo! Die Kirche im Bay. Wald stand nun für uns („amtlich“ schrieb mir R erleichtert) zur Verfügung. Das Paar überglücklich, J und ich auch denn…Wir waren früher Klassenkameraden und nun richtig happy, uns wiederzusehen. Und wir haben inzwischen unsere gemeinsame „Hybrid-Trauzeremonie“ gestaltet. Eine nahtlos in den Gottesdienst integrierte Freie Trauung, oder doch eine kath. Messe an die weltliche Trauzeremonie angepasst? Wir haben sie gemeinsam „konzelebriert“. Ich kann nicht sagen, wer glücklicher war, das Brautpaar oder „wir“. Im Abschluss haben wir das Paar gemeinsam gesegnet (mit gestreckten Händen über das Brautpaar nach kirchlicher Art). Und bevor das „Amen“ am Ende gesprochen wurde, hat J noch ein Selfie vorm Altar mit uns Glücklichen geknipst. Danke J! Renata Thaller Lieber Ino, es war ein einmaliges Erlebnis mit Euch beiden – ich schwebe immer noch auf irgendeiner Wolke… Unfassbar, wie wunderschön Ihr beiden die Trauung für unser Brautpaar gestaltet habt. Es war wirklich magisch, einmalig und wunderschön. Ein Gänsehautmoment nach dem anderen! Auch wenn ich schon viele Trauungen miterlebt habe, sowas wie am Freitag habe ich noch nie erlebt! Ihr beiden wart so harmonisch zusammen, man hat richtig gespürt, wieviel Freude Euch diese besondere Trauung bereitet hat. Tausendmal DANKE dafür, dass Du Dich um diese außergewöhnliche Lösung bemüht hast und Ihr es so einmalig gestaltet habt. Mir fehlen echt die Worte… Ich bin so froh, dass wir für die beiden einen einmaligen Tag zusammen gestaltet haben. Von dieser Trauzeremonie werden sowohl das Brautpaar, als auch die Gäste (und ich natürlich auch) noch viele Jahre erzählen!!! Danke, danke, danke!!!

Wedding School

Teil 1: B2B – Beruf2Berufung Durch die vor einiger Zeit auf FB entdeckten zwei Aussagen einer angehenden Traurednerin sehe ich mich wiedermal veranlasst, dieses Thema in einem Posting zu behandeln. Inzwischen wurde die Formulierung korrigiert, darum hier nur ein Zitat (aus Erinnerung): „Da jeder als (Hobby) Redner bei einer Trauung die Rede halten kann, braucht man eigentlich keine Ausbildung dazu“ […] und „Ich habe eine Traurednerausbildung mit IHK-Abschlusszertifikat absolviert“. Dieser Antagonismus hat mich platt gemacht, hier zwei Schlussfolgerungen: 1. Wenn eine*er keine Ausbildung brauch, braucht er*sie auch kein Abschlusszertifikat. 2. Wenn eine*er ein Zertifikat erworben hat und danach meint, man braucht keine Ausbildung, entwertet er*sie sein*ihr erworbenes Zeugnis – IHK hin oder her. Wer ist der Trauredner? Eine Analyse. Drei klassische Roots sind ursprünglich zu betrachten. Die des Pfarrers, der traditionsgemäß Leute im Namen des „Gott-Vaters “ in die Ehe katapultierte. Die des Standesbeamten, der Eheleute im Namen des „Vater-Landes“ in die Ehe bestätigte und auch die des Humanisten, der im Namen einiger „Väter der Philosophie“, Pärchen ins humane Eheglück förderte. Um es im weihnachtlichen Jargon auszudrücken, waren es immer diese 3 am Werk: der Heilige Nikolaus (aus Bayern), der Weihnachtsmann (aus Amerika) und Väterchen Frost (vor allem im Osten aktiv). Drei Personas mit gleicher Mütze. Wer der Erfinder des modernen Trauredner-Modells ist, ist umstritten. Jeder beansprucht für sich, das Modell erfunden zu haben. Nun ist doch egal, wer es erfunden hat. Zu betrachten ist die sehr dynamische Entwicklung und die Vielfalt in der Eheschließungsbranche. Nischen wurden von Journalisten, Pädagogen, Krankenschwestern, Beratern, Fluglotsen, Schauspielern, Sänger – sogar Bänker stiegen um, bis zur Friseurin die mit haarsträubenden Reden begeistert, besetzt. Und jeder bringt seine Talente mit, was in der immensen Nachfrage nach freien Trauungen widerspiegelt. Alles klar! Nun sich selbst abzuwerten und sagen: „weil jeder als Hobby-Redner bei einer Trauung die Rede halten kann, braucht man eigentlich dazu keine Ausbildung“, ist sogar einem freien Geist wie mir zu viel abverlangt. Wie es dazu kommen konnte? Das erzähle ich am 3. Adventswochenende. Denn ich knüpfe mir das Thema „Wedding School“ an. Teil 2: Wedding School “The Russian writer Dostoyevsky said: “To enter marriage is to enter a school of love.” That is right, you “enter” marriage, you don’t just arrive, or go in, or begin. No, you “enter.” You enter in the proper way, with a certain formality, dignity, and forethought.” Dieser Absatz stammt aus einer Hochzeitsansprache eines englischen Freundes, eine Ansprache die mich später prägte. Dostoyevsky beschreibt die Ehe in dem er sie mit einer „school of love“ vergleicht. Sicher, er meinte damit „das Lernen in der Partnerschaft“ und nicht eine real existierende Schule. Ich nehme ein paar Schlüsselwörter daraus die für diejenigen gelten, die sich vorgenommen haben, Trauredner auszubilden. Eine „school“ betritt man (you enter). Man betritt die Schule in geeigneter Weise (in the proper way). Das heißt vorbereitet sein, mit allen Qualitäten die der Beruf des Ritualgestalters verlangt: Charisma, künstlerische Fähigkeiten, Idealismus, Balance und Empathie und vor allem Kommunikationstalent. Zeremonien durchführen ist Medium, man kann dadurch viel Positives transportieren aber […]

Ritualgestaltung

Kann eine Trauung „frei“ von Normen und Regeln funktionieren? Ich nehme ein genormtes DINA4 Blatt in der Hand, es anzuschauen – diese langweilige 21 x 29,7 cm Fläche – macht mich wahnsinnig. Es beschränkt mich in meiner Kreativität. Ich fang an, das Blatt zu trimmen: die oberen Ecken habe ich mit der Schere rund geschnitten, die untere Kante schräg geschnibbelt. Daraus wird das ungewöhnlichste und originellste Irgendetwas… Nun lasse ich das Blatt durch meinen Drucker gehen, der Rechner piepst und schickt die tolle Geschichte, Digit nach Digit – 1000100100010001001000 – durch zum Gerät. Nur zu dumm, denn mein Drucker kann meine Kreativität nicht verstehen, das Gerät macht ein furchtbares knarziges, kratziges Geräusch und blockiert sich. DIN A4 Format nicht erkannt, das Blatt schräg auf die Trommel eingezogen, Papierstau. Ich öffne den Deckel und ziehe das Ergebnis raus – Papiermüll. Normen und Standards beschränken nicht, sie definieren Schnittstellen und Kompatibilität in der interhumanen Kommunikation und ermöglichen letztendlich den Konsens. In Anbetracht dessen, kann eine „Trauung“ auch nicht „frei von Regeln“ sein. Im Gegenteil, die Rahmenbedingungen die mir die Normen anbieten, garantieren, dass die Botschaft (in dem Fall auch Zweck meiner Traurede) ankommt – an das Paar und an die anwesenden Gäste. In diesem Rahmen kann sich die Kreativität unendlich entfalten. Beliebigkeit dagegen führt, wie in dem Beispiel mit dem Drucker, zu einem Scheitern. Was bleibt ist Papiermüll.

Der Hochzeitsfotograf

Stellt euch dieses Szenario vor: Die Trauung in der Kirche geht in dreißig Minuten los. Der Pfarrer bereitet seine Manuskripte vor und sortiert die Blätter am Pult, während, irgendwo im Chorempore, die Sängerin vor dem Singen ihre Stimme aufwärmt. Die meisten Gäste sind auch schon da und warten ungeduldig…Jetzt passiert folgendes: Der Fotograf stürmt rein, sein Stativ an die Schulter stemmend, läuft direkt zum Geistlichen hin und sagt ihm unverblümt, er soll bitteschön sein Pult wegräumen; er platziert seine professionelle Standkamera hin, drückt dem Pastor ein weißes Blatt in die Hände, sagt ihm, er soll für ein paar Sekunden stillhalten und stellt die „White Balance“ mit seinem HD-Signalgenerator ein… Sowas wird in einer Kirche niemals geschehen, doch das ist mir bei einer frei gestalteten Zeremonie widerfahren. Ein Einzelfall, ich will damit die Zunft der Fotografen nicht in Mitleidenschaft ziehen oder ihr Verhalten pauschalisieren. Hierarchien oder – wer darf wen begleiten?Der Standesbeamte begleitet das Brautpaar bei der staatlichen Form der EheschließungDer Vater begleitet seine Tochter zum AltarDie Brautjungfern begleiten die Braut beim EinzugDer Trauredner begleitet das Hochzeitspaar und führt durch die TrauungDie Band darf musikalisch die Zeremonie begleitenDie Wedding Planerin begleitet die Hochzeitsgesellschaft durch den TagDer Fotograf begleitet all diese Menschen und sorgt für bleibende Eindrücke Der Mensch ist nie und an keiner Stelle ein Gleicher unter Gleichen. Es ist ein wenig so, wie bei George Orwells „Farm der Tiere“, in der am Ende alle Tiere gleich – aber manche eben gleicher sind als andere. Und warum? Ganz einfach, weil wir unsere Gesellschaften, unsere Familien, unsere Welt und unser Leben in Hierarchien unterteilt haben. Wer an welcher Stelle welche Funktion ausübt, ist durch geschriebene oder ungeschriebene Gesetze festgelegt und konsensual geregelt.In diesem Sinne ist es die Aufgabe des Zeremonienleiters durch die Trauung zu führen: sei er Pfarrer, Diakon, Freier Theologe oder weltlicher Trauredner. Als solcher übt er seine Aufgabe mit der „Kraft des Amtes“ (wenn man das Prinzip analog auch der freien Zeremonie zusprechen dürfte) und sorgt dafür, dass der Akt Gewicht bekommt ohne dessen die Authentizität und Würde der Feier nie zustande kommen könnte. Respektvoll miteinander umgehenGilt für alle Mitbeteiligten, auch für den Fotografen, dem ich während der Trauzeremonie viel Bewegungsfreiheit gestatte. Die meisten Fotografen, die ich in den letzten 10 Jahren kennenlernen durfte, waren äußerst professionell: respektvoll, diskret, freundlich, pünktlich, fachlich gut vorbereitet. Ein Beleg dafür sind die vielen wunderschönen Aufnahmen, die meine Brautpaare mir zugeschickt haben. Denn eines ist klar: Wir alle sind da, um eben das Paar zu zelebrieren und nicht uns selbst. Euer Theologe und Trauredner,

Falling in Love

Was mich seit einiger Zeit beschäftigt ist folgende Frage: Was fühlt man(n) als Trau- oder HochzeitsrednER in den 5 bis 15 oder mehr Minuten, als der Einzug der Braut stattfindet? Flash-back. Vor ca. 35 Jahren stand ich, gemeinsam mit anderen 17-Jährigen, regelmäßig sonntags auf der Empore einer Kathedrale und sang im Chor bei der Messe des Bischofs um die Wette. Jedes Mal, wenn meine Schwester mit ihrer Schar von Freundinnen die Kirche betrat, sind mir die Musiknoten aus dem Blickfeld verrutscht… Flash-forward. Nach all den Jahren spreche ich darüber – als Trauredner, aus eigenem Winkel, nur aus meiner Erfahrung. Nicht über Liebe, Freude, Spaß & Co. des Brautpaares das sich so wundervoll das Ja-Wort an der traumhaften so-und-so Location gibt. Nein, über mich selbst. Ich stehe an dem Samstag wieder voll konzentriert vor dem versammelten Publikum, Bräutigam neben mir, und da erscheint sie – die schöne Braut. Was der Bräutigam bei dem Anblick fühlt, darüber wird genügend in Blogs gepriesen. Ich drehe den Blinkwinkel 180 Grad zu mir selbst rüber und erzähle, was in mir passiert: als Profi (mit gründlicher zölibatärer Ausbildung) kann ich diese Wand der Gelassenheit und Neutralität auf Knopfdruck herzaubern. Hinter dem Vorhang stehe ich als Mann. Ein sensibles Thema, denn… Was wenn ich diese Frau (die Braut) mit den Augen eines Mannes sehe? Also nicht als Dienstleister (Trauredner) oder (schlimmer noch) als katholischer Zelebrant mit noch so (verpassten) Keuschheitsgelübde im Rucksack. Die Braut wird in Empfang genommen, ich lade sie (das Paar) festlich, sich Händchen haltend hinzusetzen und passiert folgendes: Das Dekolleté der Braut enthüllt die perfekten Brüste, den perfekten Teint, die samtweiche Haut, sie hebt den Kopf und schaut mich an, ein Schmollmund, ein geheimnisvolles Lächeln, die wunderschönen großen Augen suchen nach Zeichen der Bewunderung. Ich denke, sie will von den Freunden bewundert, von den Freundinnen „beneidet“, von dem Bräutigam geliebt sein. Von mir will sie die perfekte Traurede. Nicht nur, sie verlangt von mir, den Zauber der Stunde aufrecht zu erhalten, länger als nur diese 45 oder mehr Minuten. Sie schickt die Signale in meine Richtung, NICHT FÜR MICH – ich muss ihre Botschaft nur fangen und wie ein Spiegel an die Gäste zurück abwerfen.