WAS IST EINE FREIE TRAUUNG?

Ausgiebige Recherchen und die Suche nach Informationen im Internet sind für die meisten von uns zur täglichen Routine geworden. Wer in den heutigen Tagen seine Hochzeit plant und sich auf die Suche nach Dienstleister für seinen schönsten Tag begibt, geht standardgemäß ins Internet und googelt. Tippt man das Keyword „hochzeit“ in der Suchleiste ein, bekommt man innerhalb von Millisekunden ungefähr 98.400.000 Ergebnisse: Alles für den schönsten Tag – Location, Floristen, Band, Schmuck, und… „was ist eine Freie Trauung?“ Wieso erscheint der Begriff so oft in Frageform?Ganz simpel. Auf zahlreichen Plattformen und Internetseiten von Trauredner gibt es den obligatorischen Standard Beitrag, der uns erklärt, was das ist. Immer unter der Rubrik: „Was ist eine Freie Trauung?“ Ich verzichte also auf meine eigene erleuchtende und überflüssige Erklärung und möchte mir in Negativform die Frage stellen: Was eine „Freie Trauung“ nicht ist. Ein BeispielDie deutsch-amerikanische Hochzeit am Comer See letztes Jahr: Der italienische DJ wusste wenig darüber, was hier gleich passieren wird. Er zeigte mir die Song-Liste und fragte mich erstaunt, was ich bei der Veranstaltung für eine Funktion innehabe. Ich erklärte ihm, dass ich eine „Freie Trauung“ (it:matrimonio libero) durchführen werde. Seine Reaktion war, als wäre ich von einer anderen Galaxie gelandet…Nun war „Freie Trauung“, trotz mot-à-mot-Übersetztung, kein Begriff für ihn. Also musste ich ihm eben erklären, was eine „Freie Trauung“ nicht ist. Keine Hochzeitsparty nach der Kirche, keine elegante Feier unter Freunden am Ufer des Comer Sees, keine Junggesellen Abschiedsparty, keine Bridal-Shower-Party oder Ähnliches. Auch die Synonyme, die mir einfielen, halfen nicht weiter. Schließlich erklärte ich ihm, dass die Braut aus Amerika kommt und dort ist es in der Mode, nicht in einer Kirche zu heiraten. „OK, un matrimonio all’americana!“. Das wusste er: Eine „Trauung auf amerikanische Art“. Und wie oft werden solche „amerikanische Hochzeiten“ am Comer See gefeiert, wollte ich wissen. „Bei uns heiraten Leute in der Kirche“, war seine lapidare Antwort. Und mir wurde abermals bewusst, wie toll es sei, in einem Land zu leben, wo interkulturelle, interkonfessionelle und humanistische Bewegungen sich treffen und gegenseitig beeinflussen. Etwas „Freies“ zu gestalten, ja sogar eine Trauung durchzuführen – die traditionellerweise nur von den Kirchen bzw. Standesämter zu vollziehen seien – ist Realität geworden. Euer Theologe und Trauredner,

Pfarrer, freier Pfarrer, freier Theologe, Zeremonienleiter, Redner, Hochzeitsredner oder Trauredner?

Design by freepik.com   Die Trauung und ihre Reise von dem Traualtar in die Rockerbude Ganz in Weiß, mit einem Blumenstrauß, auf einer Bühne zu stehen und bewundert zu werden. Noch immer bedeutet die Trauung für viele ein großes Ereignis, mit strahlenden Augen das „Ja“-Wort zu sprechen, um den Bund fürs Leben zu schließen. Dass viele Menschen die Ehe mit romantischen Vorstellungen wie Liebe und Zärtlichkeit verbinden, ist eine Entwicklung des 18. Jahrhunderts. In Wirklichkeit war die Ehe ursprünglich eine pragmatische Angelegenheit, die sich im Laufe der Geschichte als Institution etabliert und in allen Kulturen verbreitetet hat. Mit diesem Beitrag möchte ich keinesfalls einen Excursus in die Geschichte der Ehe führen, eher möchte ich mir die Frage stellen: Wie sich die zeremonielle Form der Eheschließung, also der Trauzeremonie in unserer Zeit entwickelt, welche Einflüsse tragen dazu bei, dass sich der Trend von dem verbindlichen und in religiösen Kreisen eingebetteten Trauritual zu der freien (freigestalteten) Trauung sich so rasant entwickelt. Weg vom Pfarrer und hin zum Freien Theologen Es wäre ohnehin falsch, „Versäumnisse“ vonseiten der religiösen Verbände als Argument zu bringen, um das Phänomen der freien Trauung zu erklären. Viele Brautpaare trauen sich in letzter Zeit jedoch nicht mehr vor dem Altar, in Anwesenheit eines Priesters/Pastors, weder in der Kapelle noch draußen im Freien – angenommen die eine oder andere Denomination es auch zulassen würde. Es ist nicht länger aktuell, es ist einfach nicht „cool“. Wer braucht denn noch Verbindlichkeiten, die aus einer gezwungenen Zugehörigkeit entstehen? So fing es irgendwann mit den Freien Theologen an. Sie haben Erfahrung, brachten sogar eine angemessene Ausbildung oder Theologiestudium mit, sie sahen sich aber nicht mehr (warum auch immer) an die Kirche gebunden, sie lehnten die liturgischen Vorschriften ab. Und dennoch, sie beanspruchten den Tiefgang und sogar eine gewisse Verbindlichkeit wessen Wurzel in der Überzeugung lag, dass Selbstbestimmung wichtiger als die Dogmen sei. Dieser erste Schritt der “Befreiung“ löste vor ca. zehn Jahren einen richtigen Boom aus. Viele, die aus der Kirche ausgetreten waren und sich nicht länger betreut fühlten, sahen darin einen Ausgang, um Taufe, Trauung ja sogar ein feierliches Bestattungsritual für Angehörigen zu bekommen. Weil selbstschaffende Theologen sich sowohl für kirchlich-ähnliche wie auch für weltliche Ritualgestaltung offen zeigten und frische Ideen einbrachten, entwickelte sich die Freie Trauung immer mehr zum Life-Style-Ereignis und gewann peu à peu an Beliebtheit. Die Trauung ist aus dem Schatten des Kirchenturms hinausgetreten. Der Freie Theologe mutiert zum Redner Die Medien greifen das Thema an. Gut geeignet für die nachmittägliche Tele-Unterhaltung werden nun Formate entwickelt die echte Gefühle zeigen sollten. „Love is in the air“ sells. So tauchen nun selbsternannte freie Theologen in ungewöhnlichsten Posen und Locations, mit bahnbrechenden Reden in Fernsehen und in Berichten der Fachpresse auf. Der Beruf des „Zeremonienleiters“ „Hochzeitsredners“, des “Trauredners“ und des „Zeremonie-Designers“ ist geboren. Eigentlich nichts Neues, wenn man drüben auf den neuen Kontinent schaut. Der Begriff „Freier Theologe“ ist nicht weiter notwendig, „Trauredner“ ist das neue Wunderwort auf zahlreichen Online-Plattformen. Die Trauung ist multimedial geworden. Jeder darf Zeremonienleiter sein Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, […]