Wedding School

Teil 1: B2B – Beruf2Berufung

Durch die vor einiger Zeit auf FB entdeckten zwei Aussagen einer angehenden Traurednerin sehe ich mich wiedermal veranlasst, dieses Thema in einem Posting zu behandeln. Inzwischen wurde die Formulierung korrigiert, darum hier nur ein Zitat (aus Erinnerung): „Da jeder als (Hobby) Redner bei einer Trauung die Rede halten kann, braucht man eigentlich keine Ausbildung dazu“ […] und „Ich habe eine Traurednerausbildung mit IHK-Abschlusszertifikat absolviert“. Dieser Antagonismus hat mich platt gemacht, hier zwei Schlussfolgerungen: 1. Wenn eine*er keine Ausbildung brauch, braucht er*sie auch kein Abschlusszertifikat. 2. Wenn eine*er ein Zertifikat erworben hat und danach meint, man braucht keine Ausbildung, entwertet er*sie sein*ihr erworbenes Zeugnis – IHK hin oder her.

Wer ist der Trauredner? Eine Analyse.

Drei klassische Roots sind ursprünglich zu betrachten. Die des Pfarrers, der traditionsgemäß Leute im Namen des „Gott-Vaters “ in die Ehe katapultierte. Die des Standesbeamten, der Eheleute im Namen des „Vater-Landes“ in die Ehe bestätigte und auch die des Humanisten, der im Namen einiger „Väter der Philosophie“, Pärchen ins humane Eheglück förderte. 
Um es im weihnachtlichen Jargon auszudrücken, waren es immer diese 3 am Werk: der Heilige Nikolaus (aus Bayern), der Weihnachtsmann (aus Amerika) und Väterchen Frost (vor allem im Osten aktiv). Drei Personas mit gleicher Mütze.

Wer der Erfinder des modernen Trauredner-Modells ist, ist umstritten. Jeder beansprucht für sich, das Modell erfunden zu haben. Nun ist doch egal, wer es erfunden hat. Zu betrachten ist die sehr dynamische Entwicklung und die Vielfalt in der Eheschließungsbranche. Nischen wurden von Journalisten, Pädagogen, Krankenschwestern, Beratern, Fluglotsen, Schauspielern, Sänger – sogar Bänker stiegen um, bis zur Friseurin die mit haarsträubenden Reden begeistert, besetzt. Und jeder bringt seine Talente mit, was in der immensen Nachfrage nach freien Trauungen widerspiegelt.

Alles klar! Nun sich selbst abzuwerten und sagen: „weil jeder als Hobby-Redner bei einer Trauung die Rede halten kann, braucht man eigentlich dazu keine Ausbildung“, ist sogar einem freien Geist wie mir zu viel abverlangt. Wie es dazu kommen konnte? Das erzähle ich am 3. Adventswochenende. Denn ich knüpfe mir das Thema „Wedding School“ an.

Teil 2: Wedding School

“The Russian writer Dostoyevsky said: “To enter marriage is to enter a school of love.” That is right, you “enter” marriage, you don’t just arrive, or go in, or begin. No, you “enter.” You enter in the proper way, with a certain formality, dignity, and forethought.”

Dieser Absatz stammt aus einer Hochzeitsansprache eines englischen Freundes, eine Ansprache die mich später prägte. Dostoyevsky beschreibt die Ehe in dem er sie mit einer „school of love“ vergleicht. Sicher, er meinte damit „das Lernen in der Partnerschaft“ und nicht eine real existierende Schule. Ich nehme ein paar Schlüsselwörter daraus die für diejenigen gelten, die sich vorgenommen haben, Trauredner auszubilden.

Eine „school“ betritt man (you enter). Man betritt die Schule in geeigneter Weise (in the proper way). Das heißt vorbereitet sein, mit allen Qualitäten die der Beruf des Ritualgestalters verlangt: Charisma, künstlerische Fähigkeiten, Idealismus, Balance und Empathie und vor allem Kommunikationstalent. Zeremonien durchführen ist Medium, man kann dadurch viel Positives transportieren aber auch viel kaputt machen. Darum musst du viel Zeit in Bildung investieren. Nicht 48 Stunden. You don’t just arrive – du landest nicht einfach als Trauredner hinterm Pult und fängst an zu reden, und das nach zwei Tagen. Nein, du durchgehst mit Sorgfalt (forethought) einen Lernprozess dessen Erfolg auf die Fähigkeit der Ausbilder angewiesen ist.

Wer kann und darf Ausbilder für Ritualgestalter sein? Jeder der sich durch die Natur seines Berufs qualifiziert hat, den Beruf lange praktiziert hat und in Unterrichtmethodik ausgebildet ist. Der Prozess sollte in einem vorgegebenen Rahmen unter festgelegten Standards stattfinden. Ein gutes Beispiel sind die Trauerbegleiter die in einem Bundesverband organisiert sind.

Ich hoffe für die Zukunft, dass einige erfahrene Trauredner sich zusammensetzen und solide Richtlinien verfassen. Diese sollten Standards wie: TIEFE [#depth] – VERBINDLICHKEIT [#commitment] – AUSDAUER [#persistence] – GEIST [#spirit] und INNIGKEIT [#intimacy] widerspiegeln.

About the author: Inocentiu Fron