Un matrimonio italiano

Ich habe viele Trauungen im Laufe meiner Zelebranten-Laufbahn erlebt und dabei immer versucht, die Gedanken zu erraten, die durch die Köpfe der Eltern in der unmittelbaren Zeit vor der Trauung gehen. So ein Tag war heute im Schloss Seehof bei Bamberg: Es regnete – dieser fiese Regen, grau und monoton und endlos. Bei Ankunft liefen 3 andere Paare durch den Innenhof des Schlosses, um vielleicht doch noch ein schönes Bild als Erinnerung zu ergattern. Alle irgendwie frustriert – verständlich. Mein Brautpaar fand ich in dem linken Flügel des Schlosses, dort wo sich die Tür zu einer winzigen Kapelle befand. Während die beste Freundin der Braut und Trauzeugin mich begrüßte, standen die Gäste rund um das Brautpaar und schossen Fotos mit ihren Handys. Und da stand Carmelo – der Brautvater. Ganz, ganz stolz auf sein Mädchen, la sua bambina. Ich hatte vorher noch nie so einen stolzen Papa gesehen. Den Regen hatte Carmelo (glaube ich) gar nicht wahrgenommen. Er hatte Augen nur für SIE. The walk down the aisle Schade nur, dass der Weg zum Altar in der winzigen Kapelle zu kurz gewesen wäre. Kennt ihr das, fünf – bis sechs Meter. Da hat die Braut kaum Zeit sich einmal nach links, einmal nach rechts umzuschauen. Fünfundzwanzigodermehrjahre hat Carmelo darauf gewartet um, nun nur für zehn Sekunden seine Bambina down the aisle zu begleiten. Nein. Wir hatten diesen barocken Durchgang im Innenhof zur Verfügung, ca. 40 oder 50 Meter lang bis zur Kapellentür. Ich habe all die Fotografen, Videografen und Handyknipser aus der Kapelle rausgeholt. Die Sänger eingeschaltet und Carmelo den langen Innenkorridor zum Begleiten seines Schatzes – langsam (piano, piano Carmelo!) gehen lassen. Er hat den Gang bis zur Kapellentür sichtlich genossen und auch die paar Schritte von der Tür zum Altar noch dazu. Bevor er seine bambina dem Bräutigam überlassen hatte, rückte er noch ihre Halskette, ein Schmuckstück aus der Familie vielleicht, liebevoll zurecht.

WAS IST EINE FREIE TRAUUNG?

Ausgiebige Recherchen und die Suche nach Informationen im Internet sind für die meisten von uns zur täglichen Routine geworden. Wer in den heutigen Tagen seine Hochzeit plant und sich auf die Suche nach Dienstleister für seinen schönsten Tag begibt, geht standardgemäß ins Internet und googelt. Tippt man das Keyword „hochzeit“ in der Suchleiste ein, bekommt man innerhalb von Millisekunden ungefähr 98.400.000 Ergebnisse: Alles für den schönsten Tag – Location, Floristen, Band, Schmuck, und… „was ist eine Freie Trauung?“ Wieso erscheint der Begriff so oft in Frageform?Ganz simpel. Auf zahlreichen Plattformen und Internetseiten von Trauredner gibt es den obligatorischen Standard Beitrag, der uns erklärt, was das ist. Immer unter der Rubrik: „Was ist eine Freie Trauung?“ Ich verzichte also auf meine eigene erleuchtende und überflüssige Erklärung und möchte mir in Negativform die Frage stellen: Was eine „Freie Trauung“ nicht ist. Ein BeispielDie deutsch-amerikanische Hochzeit am Comer See letztes Jahr: Der italienische DJ wusste wenig darüber, was hier gleich passieren wird. Er zeigte mir die Song-Liste und fragte mich erstaunt, was ich bei der Veranstaltung für eine Funktion innehabe. Ich erklärte ihm, dass ich eine „Freie Trauung“ (it:matrimonio libero) durchführen werde. Seine Reaktion war, als wäre ich von einer anderen Galaxie gelandet…Nun war „Freie Trauung“, trotz mot-à-mot-Übersetztung, kein Begriff für ihn. Also musste ich ihm eben erklären, was eine „Freie Trauung“ nicht ist. Keine Hochzeitsparty nach der Kirche, keine elegante Feier unter Freunden am Ufer des Comer Sees, keine Junggesellen Abschiedsparty, keine Bridal-Shower-Party oder Ähnliches. Auch die Synonyme, die mir einfielen, halfen nicht weiter. Schließlich erklärte ich ihm, dass die Braut aus Amerika kommt und dort ist es in der Mode, nicht in einer Kirche zu heiraten. „OK, un matrimonio all’americana!“. Das wusste er: Eine „Trauung auf amerikanische Art“. Und wie oft werden solche „amerikanische Hochzeiten“ am Comer See gefeiert, wollte ich wissen. „Bei uns heiraten Leute in der Kirche“, war seine lapidare Antwort. Und mir wurde abermals bewusst, wie toll es sei, in einem Land zu leben, wo interkulturelle, interkonfessionelle und humanistische Bewegungen sich treffen und gegenseitig beeinflussen. Etwas „Freies“ zu gestalten, ja sogar eine Trauung durchzuführen – die traditionellerweise nur von den Kirchen bzw. Standesämter zu vollziehen seien – ist Realität geworden. Euer Theologe und Trauredner,