Falling in Love with the bride

Bild: Mannu & Mani

Was mich seit einiger Zeit beschäftigt ist folgende Frage: Was fühlt man(n) als Trau- oder HochzeitsrednER in den 5 bis 15 oder mehr Minuten, als der Einzug der Braut stattfindet?

Flash-back. Vor ca. 35 Jahren stand ich, gemeinsam mit anderen 17-Jährigen, regelmäßig sonntags auf der Empore einer Kathedrale und sang im Chor bei der Messe des Bischofs um die Wette. Jedes Mal, wenn meine Schwester mit ihrer Schar von Freundinnen die Kirche betrat, sind mir die Musiknoten aus dem Blickfeld verrutscht…

Flash-forward. Nach all den Jahren spreche ich darüber – als Trauredner, aus eigenem Winkel, nur aus meiner Erfahrung. Nicht über Liebe, Freude, Spaß & Co. des Brautpaares das sich so wundervoll das Ja-Wort an der traumhaften so-und-so Location gibt. Nein, über mich selbst. Ich stehe an dem Samstag wieder voll konzentriert vor dem versammelten Publikum, Bräutigam neben mir, und da erscheint sie – die schöne Braut.

Was der Bräutigam bei dem Anblick fühlt, darüber wird genügend in Blogs gepriesen. Ich drehe den Blinkwinkel 180 Grad zu mir selbst rüber und erzähle, was in mir passiert: als Profi (mit gründlicher zölibatärer Ausbildung) kann ich diese Wand der Gelassenheit und Neutralität auf Knopfdruck herzaubern. Hinter dem Vorhang stehe ich als Mann. Ein sensibles Thema, denn… Was wenn ich diese Frau (die Braut) mit den Augen eines Mannes sehe? Also nicht als Dienstleister (Trauredner) oder (schlimmer noch) als katholischer Zelebrant mit noch so (verpassten) Keuschheitsgelübde im Rucksack.

Die Braut wird in Empfang genommen, ich lade sie (das Paar) festlich, sich Händchen haltend hinzusetzen und passiert folgendes: Das Dekolleté der Braut enthüllt die perfekten Brüste, den perfekten Teint, die samtweiche Haut, sie hebt den Kopf und schaut mich an, ein Schmollmund, ein geheimnisvolles Lächeln, die wunderschönen großen Augen suchen nach Zeichen der Bewunderung.

Ich denke, sie will von den Freunden bewundert, von den Freundinnen „beneidet“, von dem Bräutigam geliebt sein. Von mir will sie die perfekte Traurede. Nicht nur, sie verlangt von mir, den Zauber der Stunde aufrecht zu erhalten, länger als nur diese 45 oder mehr Minuten. Sie schickt die Signale in meine Richtung, NICHT FÜR MICH – ich muss ihre Botschaft nur fangen und wie ein Spiegel an die Gäste zurück abwerfen.

In diesem Moment verliebe ich mich in die Braut. 
Wie damals als ich – ein 17-jähriger – mich auf der Empore der Kathedrale in die Freundin meiner Schwester verbotenerweise verliebt habe.