WIE VIEL KOSTET EIN TRAUREDNER?

(Bild: Pixabay)

Hochzeitsboom und Preislisten

Vor zwei Tagen war es, als in meinem E-Mail-Postfach fast gleichzeitig zwei Anfragen landeten. Die erste Anfrage fing so an: „Schicken Sie uns Ihre Preisliste [..] Wir würden gerne drei Termine im Juni 2020 vorerst blocken“. Die zweite Anfrage lautete: „Ihre Homepage hat uns sehr gut gefallen – wir würden Sie gerne treffen. […] Damit wir planen können, würden wir Sie bitten, uns Ihren Preis mitzuteilen“.

Die erste Anfrage habe ich kurz beantwortet – Meine Preisliste fängt ab 1.750 Euro an +, + und +.
Die Antwort kam nach sehr kurzer Zeit: „Leider haben wir uns für einen anderen Redner entschieden“. GsD! Das ist gewiss nicht mein Preis – mit dem Satz verscheuche ich erfolgreich solche Preislisten-Touristen.

Das zweite Paar habe ich zu mir eingeladen, um uns gegenseitig kennenzulernen. Der Preis stand nicht im Vordergrund, sondern der Mensch, mit dem man zuallererst Vertrauen aufbauen sollte. Heute waren sie da, genau SIE, die ich aus ihrer E-Mail – zwischen den Zeilen – als meine Zielgruppe ablesen konnte. Wir haben festgestellt: Ich war für sie derjenige, den sie gesucht hatten. Sie waren für mich diejenigen die ich sehr gerne trauen würde. Offen konnte ich ihnen erklären, wer ich bin, was ich tue und warum ich es tue. Ganz am Ende haben wir noch das Thema Vergütung besprochen. Mein Preis (den ich als human bezeichne) war für sie in Ordnung.

Leider werden Paare wie dieses immer seltener. Früher waren Hochzeitswillige selektiver, sie wussten, wen sie suchten. Falls ein Termin bereits vergeben war, machte ich mir die Mühe, einen passenden Kollegen für sie zu finden und habe die Anfrage weitergeleitet. Heute flattern in mein Postfach Sätze wie: „Wieviel kostest du?“. Diese beantworte ich nicht mehr, oder nur kurz: „Ich bin unbezahlbar“… „Check24-Mentalität“ nannte ein Kollege und guter Freund von mir dieses Phänomen. Nur auf den ersten Blick gut für Kunden (Heiratswillige), aber auf jeden Fall schlecht für diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass sie sich aus der Masse abheben und eine eigene Nische finden müssen. Spezialisten statt Generalisten. Starke Profile statt Floskeln.

About the author: Inocentiu Fron