Theologe Inocentiu Fron: Ein Interview mit dem Trauredner

Theologe Inocentiu Fron

Theologe Inocentiu Fron - Ein Interview mit der AGFT

INOCENTIU FRON BEGLEITET BRAUTPAARE IN FREIEN ZEREMONIEN: WAS REIZT IHN AN DIESER ARBEIT? UND WIE IST DAS, WENN MAN REGELMÄßIG DEN UNTERSCHIEDLICHSTEN PAAREN HILFT, DEN BUND FÜR'S LEBEN ZU SCHLIEßEN?

[ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Inocentiu Fron, Sie sind seit 13 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?" color="#949b9b" background_color="#ffffff" Sie sind seit 13 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"]Als ich meine erste freie Trauung in einem Park in München durchgeführt habe, kannte ich den Begriff „Zeremonienleiter“ nicht. Ich kam als Theologe Inocentiu Fron und wollte nur „weiter machen“- als Seelsorger vielleicht. Nach einigen Recherchen im Web entdeckte ich die Seite der Arbeitsgemeinschaft Freier Theologen (AGFT). Die Idee fand ich faszinierend, doch eine solche Tätigkeit außerhalb der Kirche ergab für mich noch keinen Sinn. Diese erste von mir geführte Trauzeremonie wurde so etwas wie ein kleiner, wackeliger und von Unsicherheit begleiteter Schritt. Jetzt nach vielen Jahren weiß ich, dass die Entscheidung richtig war. Und ja, die Zeremonie-Gestaltung wurde für mich mit der Zeit ein TRAUM aber doch kein JOB.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Das kann ich so nicht beschreiben. Manchmal schweben die Gefühle hin und her: Aus welchem Grund entstehen die emotionalen Augenblicke während sich zwei Menschen zu ihrer Liebe bekennen und diese vor ihren Familien und Freunden öffentlich machen? Ich glaube es ist ihr persönliches Charisma, das an der Oberfläche auftaucht, weil sie es Liebe-voll ernst mit ihrem Leben meinen. Ihre Absicht in einer freien Zeremonie zum Ausdruck zu bringen erfordert (für manche zumindest) sehr viel Mut und wenn sie in diesem besonderen Augenblick sich trauen, mit eigenen von Herzen ausformulierten Versprechen das Ja-Wort zu geben, dann strahlt eben dieses Charisma hinaus. Die Gäste spüren es, ich aus nächster Nähe am stärksten.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Als Ministrant wollte ich keine Trauung, keine Taufe oder auch keine Abschiedsfeier in der Kirche vermissen. Ich mochte die feierliche Atmosphäre, die Musik, vor allem gefielen mir die Augen der Menschen, die wie imaginäre Fluchtlinien in Richtung des Geschehens strahlten. Das war immer meine Berufung. Zum beruflichen Freien Theologen und Trauredner kam ich, wie bereits erwähnt, durch einen befreundeten Kollegen.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Was heißt normal in dieser immer schneller werdenden Welt? Ich bin auch Grafiker von Beruf und wer in der Branche arbeitet, meidet sich als „normal“ zu bezeichnen. Und so ist es mit der Begleitung meiner Paare auch. Es fängt an mit der Gestaltung der Homepage, google Analyse, regelmäßig das Handy nach Anfragen checken, Paare einladen, Termine im Outlook eintragen und dann, dann steht das Paar vor der Tür: Nun ist Schluss mit Hektik – wir sitzen lange in meinem von mir liebevoll benannten „little office“, trinken Coffee und „scannen“ uns gegenseitig. Es geht in dieser Phase ebenso wenig um Musik, Hochzeitskleider oder Location, es geht vorerst ums Kennenlernen, Persönlichkeitscheck, Sympathiemessung, Storytelling (erzählen Sie Geschichten, keine Märchen!), Glaubensrichtung, Überzeugungen, und auch ein wenig um die gestalterischen Möglichkeiten.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Wenn der Sohn/die Tochter des Nachbarn Sie nach dem Beruf fragen würde, was würden Sie antworten?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Wenn der Sohn/die Tochter des Nachbarn Sie nach dem Beruf fragen würde, was würden Sie antworten?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Die Jungs von heute wollen alle Fußballer werden, die Mädchen Supermodels. Würde ich sie über eine brillante Karriere als „Zeremonienleiter“ aufmerksam machen, würde ich vielleicht ein Grinsen als Antwort bekommen. Oder vielleicht nicht: Auf Hochzeiten erlebte ich Mädchen, die ein großes Talent und Gespür für Zeremonielles zeigten, Buben beschäftigten sich gerne mit der Tonanlage, damit die musikalische Begleitung auch gelingt. Ich würde die Nachbarskinder ermutigen, im Religions- bzw. Ethikunterricht eine Zeremonie zu gestalten und durchzuführen – als Übung eben.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Charisma, künstlerische Fähigkeiten, Idealismus, Balance und Empathie und vor allem Kommunikationstalent. Eine Zeremonie ist Medium, man kann dadurch viel Positives transportieren.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Sehr unterschiedlich. Zwischen lustig und ernst gibt es eine immense Palette an Stimmungslagen. Ich würde den Begriff „lebendig“ anstatt „lustig“ verwenden. Je weiter Richtung Süden, desto lebendiger soll die Atmosphäre werden. Im Norden sind die Menschen zurückhaltender, das heißt aber nicht, dass sie humorlos sind. In Northamptonshire, England wurde mir einen Clown beigestellt, der zwischendurch Ausrufe avancierte wie: „Brilliant, you m’duck!“.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Ja, ganz am Anfang bei meiner vierten oder fünften Trauung auf einem Bio-Gutshof in Österreich. Ich war sehr aufgeregt und voll auf die Umgebung konzentriert. Irgendwann merkte ich eine Gruppe von Männern in Sportanzüge, die die Trauung in dem eingezäunten Gärtchen verfolgten. Später beim Essen auf der Terrasse des Hotels kam ein zehnjähriger Bub mit einem Bierdeckel in der Hand und fragte mich, ob ich mit ihm zum Foyer gehen würde. Er hätte gerne ein Autogramm eines Fußballers und ich sollte für ihn übersetzen. Die Männer in Sportanzug waren Spieler des FC Napoli. Ich sagte einem der Männer, er soll bitteschön eine gute Tat tun und dem Kind seinen Namen auf dem Bierdeckel kritzeln. Und er antwortete ohne zu zögern: Si Padre, certo! Kurz drauf kamen weitere Hochzeitsgäste dazu – alle mit einem Bierdeckel in der Hand.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Kurzgefasst: Die Durchführung alternativer Zeremonien ist für mich, nach zahlreichen Jahren positiver Erfahrungen, eine Leidenschaft geworden. Diese Arbeit bringt mir Erfüllung, denn die zeremonielle Gestaltung ist, neben meiner aktuellen Tätigkeit als Grafiker, Teil meines Lebens.[/ms_accordion_item] [/ms_accordion]

* Der Theologe Inocentiu Fron ist aktiv als Trauredner und Moderator in MünchenRegensburg, Nürnberg, Passau, in Deutschland sowie überall in Europa 

Freie Trauung in der Kirche – heiraten im architektonischen Ambiente

Freie Trauung in der Kirche

Freie Trauung in der Kirche StEmmeram in Regensburg

Ist eine Freie Trauung in der Kirche nicht frei? Ist sie nur darum "frei", weil die rituellen Handlungen im Freien stattfinden? Ich würde sagen, nein! Durch die Wahrnehmung vieler Heiratswilligen ist mittlerweile der Eindruck entstanden, dass die Freie Zeremonie nur im Freien stattfinden sollte. Wenn das Wetter, beispielsweise nicht mitmacht, kippt die Stimmung. 

Dafür möchte ich in diesem Beitrag, die Vorteile eines "Innenraums", der nicht "nur" die Funktion hat, vom schlechten Wetter zu schützen, zeigen.   

Jedes Gebäude ist ein Körper. Man spricht ja auch von “Baukörper”. Diese “Raum-Volumen-Verdränger” prägen natürlich den verbleibenden “Zwischen-Raum”, d.h. sie hinterlassen einen Eindruck, ein Gefühl, eine Stimmung, eine Emotion, wenn man sich mit seinem physischen Körper als Mensch in diesen “Zwischen-Raum” begibt. Es findet ein Informations- und Energieaustausch statt, der unmittelbar und spontan abläuft und oft sogar unbewusst bleibt.

Bei Gebäuden (Architektur) ergibt sich noch eine weitere Komponente daraus, dass ich hineingehen kann. Sie sind auch konkave Körper. D.h. der von der Gebäudehaut begrenzte Raum bildet nach innen ein wahrnehmbares Volumen, einen “Hohlraum”, eine Höhle. Es ist, als ob ich mich in das Innere eines Körpers bewege.

Was ich also empfinde, ist, einen Hohlraum zu betreten, der wiederum mit Körpern (Skulpturen, Gegenstände, Bilder und Menschen) besetzt ist. Durch die entstehende Dynamik des Informationsaustauschs kann ich unmittelbar und machtvoll mittels unserer Körperwahrnehmung kommunizieren.

Damit meine ich auch z.B. den Weg des Paares (Einzug) durch einen Raum und die Begegnung mit den einzelnen Stationen dieser Abfolge, das Abhalten eines Rituals als Liturgie innerhalb eines begrenzten Raums.

Das Abhalten einer “konfessionsfreien Liturgie” also eines konfessionsfreien Rituals in einem von mir gestalteten Raum ist sicher eine sehr spannende Sache. Ich mache – in dafür geeigneten ungewöhnlichen Räumen – die Geschichte des Brautpaares zugänglich für die anwesenden Menschen, indem ich alle diese haptischen Reize der Kommunikation zur Geltung bringe. Es entsteht dadurch für das Ehepaar eine doppelte Liturgie gewissermaßen, eine “Zeremonie innerhalb der Liturgie des Raums”.