Ritualgestaltung in der Hochzeitsbranche: „reden“ allein ist kein Trauakt

Ritualgestaltung - Trauurkunde

Kann Ritualgestaltung „frei“ von Normen und Regeln funktionieren? Ich nehme ein genormtes DINA4 Blatt in der Hand, es anzuschauen – diese langweilige 21 x 29,7 cm Fläche – macht mich wahnsinnig. Es beschränkt mich in meiner Kreativität. Ich fang an, das Blatt zu trimmen: die oberen Ecken habe ich mit der Schere rund geschnitten, die untere Kante schräg geschnibbelt. Daraus wird das ungewöhnlichste und originellste Irgendetwas…

Nun lasse ich das Blatt durch meinen Drucker gehen, der Rechner piepst und schickt die tolle Geschichte, Digit nach Digit – 1000100100010001001000 – durch zum Gerät. Nur zu dumm, denn mein Drucker kann meine Kreativität nicht verstehen, das Gerät macht ein furchtbares knarziges, kratziges Geräusch und blockiert sich. DIN A4 Format nicht erkannt, das Blatt schräg auf die Trommel eingezogen, Papierstau. Ich öffne den Deckel und ziehe das Ergebnis raus – Papiermüll. Ritualgestaltung ohne jegliche Regeln ist nix.

Normen und Standards beschränken nicht, sie definieren Schnittstellen und Kompatibilität in der interhumanen Kommunikation und ermöglichen letztendlich den Konsens. In Anbetracht dessen, kann eine „Trauung“ auch nicht „frei von Regeln“ sein. Im Gegenteil, die Rahmenbedingungen die mir die Normen anbieten, garantieren, dass die Botschaft (in dem Fall auch Zweck meiner Traurede) ankommt – an das Paar und an die anwesenden Gäste. In diesem Rahmen kann sich die Kreativität unendlich entfalten. Beliebigkeit dagegen führt, wie in dem Beispiel mit dem Drucker, zu einem Scheitern. Was bleibt ist Papiermüll.

Hochzeitsfotografen und Hochzeitsvideografen: Erfahrung

Hochzeitsfotografen Hochzeitsvideografen

Hochzeitsfotografen und Hochzeitsvideografen, stellt euch dieses Szenario vor: Die Trauung in der Kirche geht in dreißig Minuten los. Der Pfarrer bereitet seine Manuskripte vor und sortiert die Blätter am Pult, während, irgendwo im Chorempore, die Sängerin vor dem Singen ihre Stimme aufwärmt. Die meisten Gäste sind auch schon da und warten ungeduldig…
Jetzt passiert folgendes: Ihr stürmt rein, euer Stativ an die Schulter stemmend, läuft direkt zum Geistlichen hin und sagt ihm unverblümt, er soll bitteschön sein Pult wegräumen; platziert eure professionelle Standkamera hin, drückt dem Pastor ein weißes Blatt in die Hände, sagt ihm, er soll für ein paar Sekunden stillhalten und stellt die „White Balance“ mit seinem HD-Signalgenerator ein…

Sowas wird in einer Kirche niemals geschehen, doch das ist mir bei einer frei gestalteten Zeremonie widerfahren. Ein Einzelfall, ich will damit die Zunft der Fotografen nicht in Mitleidenschaft ziehen oder ihr Verhalten pauschalisieren.

Hierarchien oder – wer darf wen begleiten?
Der Standesbeamte begleitet das Brautpaar bei der staatlichen Form der Eheschließung
Der Vater begleitet seine Tochter zum Altar
Die Brautjungfern begleiten die Braut beim Einzug
Der Trauredner begleitet das Hochzeitspaar und führt durch die Trauung
Die Band darf musikalisch die Zeremonie begleiten
Die Wedding Planerin begleitet die Hochzeitsgesellschaft durch den Tag
Hochzeitsfotografen und Hochzeitsvideografen begleiten all diese Menschen und sorgen für bleibende Eindrücke

Der Mensch ist nie und an keiner Stelle ein Gleicher unter Gleichen. Es ist ein wenig so, wie bei George Orwells „Farm der Tiere“, in der am Ende alle Tiere gleich – aber manche eben gleicher sind als andere. Und warum? Ganz einfach, weil wir unsere Gesellschaften, unsere Familien, unsere Welt und unser Leben in Hierarchien unterteilt haben. Wer an welcher Stelle welche Funktion ausübt, ist durch geschriebene oder ungeschriebene Gesetze festgelegt und konsensual geregelt.

In diesem Sinne ist es die Aufgabe des Zeremonienleiters durch die Trauung zu führen: sei er Pfarrer, Diakon, Freier Theologe oder weltlicher Trauredner. Als solcher übt er seine Aufgabe mit der "Kraft des Amtes" (wenn man das Prinzip analog auch der freien Zeremonie zusprechen dürfte) und sorgt dafür, dass der Trauakt Gewicht bekommt ohne dessen die Authentizität und Würde der Feier nie zustande kommen könnte.

Respektvoll miteinander umgehen
Gilt für alle Mitbeteiligten, auch für den Fotografen, dem ich während der Trauzeremonie viel Bewegungsfreiheit gestatte. Die meisten Fotografen, die ich in den letzten 10 Jahren kennenlernen durfte, waren äußerst professionell: respektvoll, diskret, freundlich, pünktlich, fachlich gut vorbereitet. Ein Beleg dafür sind die vielen wunderschönen Aufnahmen, die meine Brautpaare mir zugeschickt haben. Denn eines ist klar: Wir alle sind da, um eben das Paar zu zelebrieren und nicht uns selbst.

Freie Trauung in Italien: Wie heißt die „Freie Trauung“ in Italien?

Was ist eine Freie Trauung

Bild: Emily&Michael

Wie heißt die "Freie Trauung" in Italien? Ausgiebige Recherchen und die Suche nach Informationen im Internet sind für die meisten von uns zur täglichen Routine geworden. Wer in den heutigen Tagen seine Hochzeit in Italien plant und sich auf die Suche nach Dienstleister für seinen schönsten Tag begibt, geht standardgemäß ins Internet und googelt. Tippt man das Keyword „hochzeit“ in der Suchleiste ein, bekommt man innerhalb von Millisekunden ungefähr 98.400.000 Ergebnisse: Alles für den schönsten Tag – Location, Floristen, Band, Schmuck, und… „was ist eine Freie Trauung?“ Wieso erscheint der Begriff so oft in Frageform?
Ganz simpel. Auf zahlreichen Plattformen und Internetseiten von Trauredner gibt es den obligatorischen Standard Beitrag, der uns erklärt, was das ist. Immer unter der Rubrik: „Was ist eine Freie Trauung?“ Ich verzichte also auf meine eigene erleuchtende und überflüssige Erklärung und möchte mir in Negativform die Frage stellen: Was eine „Freie Trauung“ nicht ist.

Eine Freie Trauung in Italien
Die deutsch-amerikanische Hochzeit am Comer See letztes Jahr: Der italienische DJ wusste wenig darüber, was hier gleich passieren wird. Er zeigte mir die Song-Liste und fragte mich erstaunt, was ich bei der Veranstaltung für eine Funktion innehabe. Ich erklärte ihm, dass ich eine „Freie Trauung“ (it: matrimonio libero) durchführen werde. Seine Reaktion war, als wäre ich von einer anderen Galaxie gelandet…
Nun war „Freie Trauung“, trotz mot-à-mot-Übersetztung, kein Begriff für ihn. Also musste ich ihm eben erklären, was eine „Freie Trauung“ nicht ist. Keine Hochzeitsparty nach der Kirche, keine elegante Feier unter Freunden am Ufer des Comer Sees, keine Junggesellen Abschiedsparty, keine Bridal-Shower-Party oder Ähnliches. Auch die Synonyme, die mir einfielen, halfen nicht weiter. Schließlich erklärte ich ihm, dass die Braut aus Amerika kommt und dort ist es in der Mode, nicht in einer Kirche zu heiraten. „OK, un matrimonio all’americana!“. Das wusste er: Eine „Trauung auf amerikanische Art“. Und wie oft werden solche „amerikanische Hochzeiten“ am Comer See gefeiert, wollte ich wissen. „Bei uns heiraten Leute in der Kirche“, war seine lapidare Antwort.

Und mir wurde abermals bewusst, wie toll es sei, in einem Land zu leben, wo interkulturelle, interkonfessionelle und humanistische Bewegungen sich treffen und gegenseitig beeinflussen. Etwas „Freies“ zu gestalten, ja sogar eine Trauung durchzuführen – die traditionellerweise nur von den Kirchen bzw. Standesämter zu vollziehen seien – ist Realität geworden.

Freie Trauung online übertragen oder „grenzenlos“ per Skype heiraten

Freie Trauung online übertragen

Grenzenlos

Freie Trauung online übertragen - geht das? Endlich Mai. Für mich die schönste Zeit im Jahr, nicht allein wegen der Natur: Wieder draußen im Garten frühstücken zu können ist für mich und meine Frau das schönste Erlebnis. Und ja, die Hochzeitssaison beginnt mit all der Hoffnung eines Theologen, der am nächsten Samstag ins Auto einsteigt und sich auf den Weg zu ersten Trauung des Jahres macht. Wie jedes Jahr, seit vielen Jahren.

Ich sitze zu Hause in Passau vor dem Bildschirm und gehe meine Paare durch. Dieses Jahr scheint moderater zu werden. Es gab wilde Jahre in denen ich nicht mehr wusste, ob ich alles schaffen kann, es gab Jahre auch in denen weniger los war. Da merke ich allmählich, dass ich reifer geworden bin und viel entspannter der Saison entgegentrete. Also planmäßig ist das Jahr 2017 abgeschlossen, alle Paare im Ordner nach Name, Hochzeitsdatum, Location und Sprache sortiert.

… Und „bling, bling“, im unteren rechten Eck des Bildschirms – da wo sich die neuen E-Mails mit einem klirrenden Geräusch ankündigen – hat sich eine neue Anfrage durchgeschlichen. „Sehr geehrter Herr so und so, in zwei Wochen planen wir unsere Hochzeit…. Normalerweise lösche ich solche kurzfristigen Anfragen auf der Stelle. Wenn mir diesmal nicht die Namen des eingehenden Brautpaares ins Auge gefallen wären: Yves & Fabia. Also ein Franzose und eine Italienerin!? Solchen Anfragen kann ich mich nicht wiedersetzen, egal wie kurzfristig, egal wie weit und ob überhaupt machbar… Ich sage ihnen zu.

SKYPE. Es gibt doch dieses wunderbare Tool dem gegenüber ich immer skeptisch war.

Beim skypen entpuppt sich der Franzose als waschechter Berliner, Fabia ist Italienerin. Wir verstehen uns sehr gut, sie sind mir sympathisch, ich bin ihnen sympathisch - ich putze die Linse meiner Bildschirmkamera jeden Tag, um im skypenfall, mich im besten Licht zu zeigen. Yves & Fabia skypen über ihr Handy – ich sehe in dem schmalen Bild die rechte Gesichshälfte von Fabia und die linke Hälfte von Yves – oder andersrum? Ich mag sie, also geht’s los.

Turbo-Vorbereitungen, von Null auf Hundert in zwei Wochen. Alles per SKYPE. Jetzt, ein Tag vor der zweisprachigen Trauung bin ich happy. Es hat sich für mich gelohnt: Wiedermal eine echte Geschichte, die über fünf Länder, zig Umzügen und drei Sprachen, kompakt auf Deutsch und Italienisch.

Freie Trauung online übertragen

Yves & Fabias Freie Trauung findet in München statt. Kein überzogenes Festival. Keine abgestimmten Farben der Bridemaids-Kleider, keine coole Best Men in Vintage Look, keine atemberaubenden Strände und Landschaften rund herum. Ein typisch Münchener Biergarten mit einer stilvollen Villa in der Mitte. Und das Wetter? Laut wetter-dot-com heute, Regen. Scheibenkleister!

Irgendwie erhofft sich jedes Paar, seinen schönsten Tag nicht unterm Regenschirm zu verbringen. Und damit es soweit nicht kommen muss, würde ich mein Smartphone in die Hand nehmen und Petrus anrufen, via SKYPE versteht sich. Fabia, eine waschechte Römerin hat das Berliner Regenwetter nicht verdient, „Wasser-bringt-Glück“-Spruch hin oder her.

Eine Stunde Sonnenschein am Nachmittag, du lieber Petrus, bitte! Per SKYPE erreiche ich Ihn nicht, aber ein frommer Gedanke (während der Fahrt) kann Wunder bewirken. Et voilá: per Whatsup erreicht mich die Nachricht von meiner Frau (eine wetter-dot-com Kennerin): München zwischen 16.00 und 18.00 Uhr trocken.

Als die ersten Gäste (ein Pärchen) um 17.00 Uhr ankommen, scheint sogar die Sonne. Die Terrasse leuchtet gestreift von weichen warmen Sonnenstrahlen. Die Fotografin – eine Brasilianerin –  freut sich über die Lichtverhältnisse. Ich begrüße das Pärchen und frage sie, ob sie die Trauzeugin Myriam kennen. Sie antworten mir auf Englisch: „We are Spanish“.

Myriam sollte die Musik über Ihr iPhone abspielen und müsste schon da sein. Die Spanier tippen auf ihre Handys in die Whatsup-Freundesgruppe und schicken meine Frage weiter. Die Gäste erscheinen nun einer nach dem anderen: Berliner, Italiener, Franzosen, Ronny der Trauzeuge aus Australien kommt, begleitet von Myriam, eine rotblonde, die ich mir eher dunkelhaarig vorgestellt hätte. Wir machen den Musikcheck – es funktioniert.

Eine halbe Stunde später, die Gäste sitzen, Fabia wird von ihrem Vater zum Altar geführt. Ich begrüße die Anwesenden. Il nonno Luigi e la nonna Chiara – Fabias Großeltern konnten den weiten Weg nach München nicht auf sich nehmen, aber sie verfolgen von zu Hause die Trauzeremonie in Echtzeit – via SKYPE.

Theologe Inocentiu Fron: Ein Interview mit dem Trauredner

Theologe Inocentiu Fron

Theologe Inocentiu Fron - Ein Interview mit der AGFT

INOCENTIU FRON BEGLEITET BRAUTPAARE IN FREIEN ZEREMONIEN: WAS REIZT IHN AN DIESER ARBEIT? UND WIE IST DAS, WENN MAN REGELMÄßIG DEN UNTERSCHIEDLICHSTEN PAAREN HILFT, DEN BUND FÜR'S LEBEN ZU SCHLIEßEN?

[ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Inocentiu Fron, Sie sind seit 13 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?" color="#949b9b" background_color="#ffffff" Sie sind seit 13 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"]Als ich meine erste freie Trauung in einem Park in München durchgeführt habe, kannte ich den Begriff „Zeremonienleiter“ nicht. Ich kam als Theologe Inocentiu Fron und wollte nur „weiter machen“- als Seelsorger vielleicht. Nach einigen Recherchen im Web entdeckte ich die Seite der Arbeitsgemeinschaft Freier Theologen (AGFT). Die Idee fand ich faszinierend, doch eine solche Tätigkeit außerhalb der Kirche ergab für mich noch keinen Sinn. Diese erste von mir geführte Trauzeremonie wurde so etwas wie ein kleiner, wackeliger und von Unsicherheit begleiteter Schritt. Jetzt nach vielen Jahren weiß ich, dass die Entscheidung richtig war. Und ja, die Zeremonie-Gestaltung wurde für mich mit der Zeit ein TRAUM aber doch kein JOB.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Das kann ich so nicht beschreiben. Manchmal schweben die Gefühle hin und her: Aus welchem Grund entstehen die emotionalen Augenblicke während sich zwei Menschen zu ihrer Liebe bekennen und diese vor ihren Familien und Freunden öffentlich machen? Ich glaube es ist ihr persönliches Charisma, das an der Oberfläche auftaucht, weil sie es Liebe-voll ernst mit ihrem Leben meinen. Ihre Absicht in einer freien Zeremonie zum Ausdruck zu bringen erfordert (für manche zumindest) sehr viel Mut und wenn sie in diesem besonderen Augenblick sich trauen, mit eigenen von Herzen ausformulierten Versprechen das Ja-Wort zu geben, dann strahlt eben dieses Charisma hinaus. Die Gäste spüren es, ich aus nächster Nähe am stärksten.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Als Ministrant wollte ich keine Trauung, keine Taufe oder auch keine Abschiedsfeier in der Kirche vermissen. Ich mochte die feierliche Atmosphäre, die Musik, vor allem gefielen mir die Augen der Menschen, die wie imaginäre Fluchtlinien in Richtung des Geschehens strahlten. Das war immer meine Berufung. Zum beruflichen Freien Theologen und Trauredner kam ich, wie bereits erwähnt, durch einen befreundeten Kollegen.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Was heißt normal in dieser immer schneller werdenden Welt? Ich bin auch Grafiker von Beruf und wer in der Branche arbeitet, meidet sich als „normal“ zu bezeichnen. Und so ist es mit der Begleitung meiner Paare auch. Es fängt an mit der Gestaltung der Homepage, google Analyse, regelmäßig das Handy nach Anfragen checken, Paare einladen, Termine im Outlook eintragen und dann, dann steht das Paar vor der Tür: Nun ist Schluss mit Hektik – wir sitzen lange in meinem von mir liebevoll benannten „little office“, trinken Coffee und „scannen“ uns gegenseitig. Es geht in dieser Phase ebenso wenig um Musik, Hochzeitskleider oder Location, es geht vorerst ums Kennenlernen, Persönlichkeitscheck, Sympathiemessung, Storytelling (erzählen Sie Geschichten, keine Märchen!), Glaubensrichtung, Überzeugungen, und auch ein wenig um die gestalterischen Möglichkeiten.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Wenn der Sohn/die Tochter des Nachbarn Sie nach dem Beruf fragen würde, was würden Sie antworten?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Wenn der Sohn/die Tochter des Nachbarn Sie nach dem Beruf fragen würde, was würden Sie antworten?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Die Jungs von heute wollen alle Fußballer werden, die Mädchen Supermodels. Würde ich sie über eine brillante Karriere als „Zeremonienleiter“ aufmerksam machen, würde ich vielleicht ein Grinsen als Antwort bekommen. Oder vielleicht nicht: Auf Hochzeiten erlebte ich Mädchen, die ein großes Talent und Gespür für Zeremonielles zeigten, Buben beschäftigten sich gerne mit der Tonanlage, damit die musikalische Begleitung auch gelingt. Ich würde die Nachbarskinder ermutigen, im Religions- bzw. Ethikunterricht eine Zeremonie zu gestalten und durchzuführen – als Übung eben.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Charisma, künstlerische Fähigkeiten, Idealismus, Balance und Empathie und vor allem Kommunikationstalent. Eine Zeremonie ist Medium, man kann dadurch viel Positives transportieren.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Sehr unterschiedlich. Zwischen lustig und ernst gibt es eine immense Palette an Stimmungslagen. Ich würde den Begriff „lebendig“ anstatt „lustig“ verwenden. Je weiter Richtung Süden, desto lebendiger soll die Atmosphäre werden. Im Norden sind die Menschen zurückhaltender, das heißt aber nicht, dass sie humorlos sind. In Northamptonshire, England wurde mir einen Clown beigestellt, der zwischendurch Ausrufe avancierte wie: „Brilliant, you m’duck!“.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Ja, ganz am Anfang bei meiner vierten oder fünften Trauung auf einem Bio-Gutshof in Österreich. Ich war sehr aufgeregt und voll auf die Umgebung konzentriert. Irgendwann merkte ich eine Gruppe von Männern in Sportanzüge, die die Trauung in dem eingezäunten Gärtchen verfolgten. Später beim Essen auf der Terrasse des Hotels kam ein zehnjähriger Bub mit einem Bierdeckel in der Hand und fragte mich, ob ich mit ihm zum Foyer gehen würde. Er hätte gerne ein Autogramm eines Fußballers und ich sollte für ihn übersetzen. Die Männer in Sportanzug waren Spieler des FC Napoli. Ich sagte einem der Männer, er soll bitteschön eine gute Tat tun und dem Kind seinen Namen auf dem Bierdeckel kritzeln. Und er antwortete ohne zu zögern: Si Padre, certo! Kurz drauf kamen weitere Hochzeitsgäste dazu – alle mit einem Bierdeckel in der Hand.[/ms_accordion_item] [ms_accordion style="boxed" type="1" class="" id=""] [ms_accordion_item title="Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?" color="#a89a83" background_color="#f9f6f2" Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?" close_icon="fa-plus-circle" open_icon="fa-minus-circle" status="close"] Kurzgefasst: Die Durchführung alternativer Zeremonien ist für mich, nach zahlreichen Jahren positiver Erfahrungen, eine Leidenschaft geworden. Diese Arbeit bringt mir Erfüllung, denn die zeremonielle Gestaltung ist, neben meiner aktuellen Tätigkeit als Grafiker, Teil meines Lebens.[/ms_accordion_item] [/ms_accordion]

* Der Theologe Inocentiu Fron ist aktiv als Trauredner und Moderator in MünchenRegensburg, Nürnberg, Passau, in Deutschland sowie überall in Europa